Das mechanische Klavier

Lesung mit Musik nach dem Text von William Gaddis

Von William Gaddis, dem grossen nordamerikanische Romancier, ist nach seinem Tode 1998 ein letzter Roman erschienen. «Das mechanische Klavier», im Original «Agape, Agape». Es ist ein Selbstgespräch auf dem Krankenbett, inmitten von Büchern und Notizzetteln, mit deren Hilfe der Autor versucht, sein literarisches und philosophisches Vermächtnis zu formulieren.

Er ruft dazu Zeugen von Platon über Tolstoi bis Thomas Bernhard auf, schwelgt in technischen Details und zitiert Texte aus der Werbung. Das schmale Buch ist eine harsche und sarkastische Abrechnung mit der zunehmenden Entpersönlichung des Kunstbetriebs. Deren Ursprung macht Gaddis am Erfolg des mechanischen Klaviers zu Beginn des 20. Jahrhunderts fest.

Der Abend ist als eine mehrstimmige Versuchsanordnung gestaltet. Die dem Text innewohnende Heftigkeit und existentielle Not wird spielerisch teils als Hörstück, als Bühnenmonolog oder als Drehbuchskizze vorgeführt. Die Musik spielt dabei eine wesentliche Rolle, zitiert Gaddis doch immer wieder Beispiele seiner sehr persönlichen Auswahl ihn berührender Kompositionen.


Peter Schweiger liest Passagen aus dem Buch, versucht in verschiedenen Anläufen die mäandernden Gedankengänge und Assoziationen des Textes zu interpretieren und füllt die durch notwendige Kürzung entstehenden Lücken. Petra Ronner begleitet und vertont diese Textebene mithilfe eines Samplers, den sie als eine Variante des mechanischen Klaviers betrachtet. Sie verwendet dazu Material aus dem musikalischen Kosmos des Autors und Klangereignisse, die aus dem Textinhalt und der Sprache selber entwickelt sind.

Quelle: sogar theater