44 Harmonies from Apartment House 1776

Marthalers Rückkehr in den Schiffbau

Der Titel von Christoph Marthalers erster Inszenierung in der Halle seit über zehn Jahren klingt rätselhaft? Ja. Und nein.

Denn alles wird rasch übersichtlicher, wenn sich herumspricht, dass der Titel gar nicht von Marthaler, sondern von dem amerikanischen Komponisten John Cage (1912 – 1992) erfunden wurde. Und zwar als Überschrift für ein 1976 entstandenes Werk, das vom simultanen Erklingen amerikanischer Kirchengesänge handelt und von heftigen Auflösungserscheinungen hinsichtlich der Wahrnehmung von Raum und Zeit.
Kein Wunder, dass Marthaler und sein Ensemble dem Eintritt in diese frei schwebenden Klanglandschaften mit einiger Vorfreude entgegensehen. Und weil die von Cage betriebene Wechselwirkungsforschung in den Bereichen Natur, Zufall, Alltag und Erleben erst dann ihre volle Wirkung entfaltet, wenn scheinbar Unzusammenhängendes aufeinandertrifft, öffnet sich in „44 Harmonies from Apartment House 1776“ ganz unvermittelt noch die Tür zu einem von John Cage besonders bewunderten Universum: der majestätisch wuchernden Welt der Pilze!

Quelle: Schauspielhaus Zürich