Die Hauptstadt

Uraufführung des Romans von Robert Menasse

Brüssel ist die vielverspottete Hauptstadt Europas, zugleich Utopie und Ort einsamer Seelen. Robert Menasse hat ihr und den dort Lebenden, den Experten, Expats, Kommissaren, Mördern, unzerstörbaren Karrieristen (genannt «Salamander») und privaten Existenzen einen Roman gewidmet. Er ist zugleich Tragikomödie, Farce, Erkundung einer Seelenlandschaft, ein schillerndes Panorama der europäischen Eliten. Im Oktober 2017 hat der Autor dafür den Deutschen Buchpreis erhalten.

In Brüssel laufen die Fäden zusammen – und ein Schwein durch die Strassen. Fenia Xenopoulou von der Generaldirektion Kultur soll das Image der Europäischen Kommission aufpolieren. Aber wie? Ihr Referent Susman entwickelt eine Idee, die schnell Gestalt annimmt – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er wird aus politischen Gründen angehalten, einen Mordfall auf sich beruhen zu lassen. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.

Menasse macht nicht allein europäische Bürokratie literaturfähig, er schafft es auch, die EU als lebendigen Organismus von Menschen für Menschen darzustellen. Aber anders als in seinen politischen Essays ist sein Roman keine simple Verteidigung der europäischen Idee, sondern eine existenzielle Auseinandersetzung. Heftig angeregt wird das Nachdenken über ein mögliches nachnationales Europa.

Regie: Tom Kühnel Raum: Jo Schramm Kostüme: Daniela Selig Musik: Polina Lapkovskaja Video: Oliver Deichmann, Karl Gärtner, Jo Schramm Dramaturgie: Ralf Fiedler Mit: Marie Bonnet , Martin Butzke, Simon Brusis, Hanna Eichel, Maximilian Kraus, Miro Maurer, Sarah Sandeh, Pablo Schneider, Mikkel Rykart

Quelle: Theater Neumarkt