Gewitter von Alexander Ostrowskij

Die Dramateure Zürich

Die Freiheit in angespannten Verhältnissen

Mit „Gewitter“ haben sich die dramateuren zürich für ein Drama entschieden, das im 19. Jahrhundert geschrieben wurde und mit seinem Ringen um Freiheit und Selbstbestimmung bis heute relevant ist. Die Zuschauer erwartet ein spannungsgeladener Abend voll sanfter Komik und tragischer Unfreiheit, der garantiert niemanden im Regen stehen lässt!

Die junge Katerina ist mit Tichon verheiratet, der unter der Fuchtel seiner dominanten Mutter steht. Katerina leidet unter der beengenden Atmosphäre des Hauses und unter ihrer lieblosen Ehe. Sie sehnt sich nach Freiheit und Glück, das sie in der heimlichen Liebe zu Boris zu finden glaubt. Als Tichon auf Reisen ist, spitzt sich die Situation zu. Ein herannahendes Gewitter steht symbolisch für das angespannte Verhältnis zwischen den Charakteren. Schliesslich bricht der Konflikt in der Öffentlichkeit aus, und Katerina gesteht ihre Beziehung zu Boris – mit verheerenden Konsequenzen.

Alexander N. Ostrowskij (1823–1886) zählt zu den bedeutendsten Dramatikern Russlands. Er schrieb viele Komödien, gilt aber auch als Begründer des russischen realistischen Dramas. „Gewitter“ (russisch: „Groza“), 1860 uraufgeführt, ist eines seiner bekanntesten Werke. Es entstand in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs in Russland, kurz vor der Aufhebung der Leibeigenschaft, und spiegelt die Spannungen zwischen althergebrachten Traditionen und dem Wunsch nach Freiheit wider.

Die Inszenierung von „Gewitter“ durch die dramateure zürich betont die zeitlose Dimension des Stücks und legt den Fokus auf das universelle Thema der inneren Unfreiheit. Dabei wird die emotionale Tiefe der Figuren greifbar gemacht. Alle Charaktere, so die Interpretation, sind auf ihre Art Gefangene – der gesellschaftlichen Konventionen, der Erwartungen Anderer, der eigenen Ängste und Begierden. Die Inszenierung führt vor, wie jede Figur auf ihre je eigene Weise einen Weg findet, aus dieser Unfreiheit auszubrechen oder sich darin einzurichten. Tichon, der sich in den Alkohol flüchtet, seine Schwester Warwara, die mit ihrem Freund durchbrennt, oder Boris, der sich dem Willen seines Onkels beugt, zeigen individuelle Reaktionen auf die erlebte Unfreiheit. Selbst Tichons dominante Mutter und Boris’ tyrannischer Onkel suchen beieinander Verständnis und Zuneigung. Diesem Ringen um die Freiheit wohnt zum Teil eine sanfte Komik inne, die dem tragischen Schicksal Katerinas gegenübersteht. Die Regisseurin Anastasia Risch bringt die komische Ironie in vielen Szenen geschickt zu Geltung und macht deutlich, dass die Ketten, die die Figuren fesseln, nicht zuletzt in ihnen selbst liegen – eine universelle Wahrheit über den Menschen, die Ostrowskijs „Gewitter“ auch heute noch so relevant macht.

Alle, die mehr über das Stück, seine Hintergründe und Inszenierungsideen erfahren wollen, sind wieder zu einem Publikumsgespräch mit Regisseurin Anastasia Risch und Mitgliedern des Ensembles eingeladen, dass von Caroline Krüger, Fachbereichsleiterin der Paulus Akademie, moderiert wird. Zusätzlich bieten die dramateure an einigen Abenden eine Einführung an. Alle Termine finden Sie auf der Website www.dramateure.ch.

Quelle: Die Dramateure Zürich